Spezialisiert und persönlich

Morgens um acht ist die Belegschaft des Modegeschäftes Minder in Huttwil um die Kasse versammelt. Auch wenn Urs und Erika Minder – wie an diesem Tag – anschliessend nach Zürich fahren, um einzukaufen. «Dieser direkte Kontakt zu unseren Mitarbeitenden ist uns wichtig», sagt Urs Minder, der das Geschäft zusammen mit seiner Frau in zweiter Generation führt und besitzt. «Das führt zu kurzen Informationswegen und damit zu zufriedenen Mitarbeiterinnen.»
 
Dies wiederum schlägt sich in der Treue zum Betrieb nieder: 7,6 Jahre beträgt der Durchschnitt der Dienstjahre unter den 48 Mitarbeitenden, und dies obschon Minder Mode in den letzten Jahren verschiedene neue Läden eröffnet und dafür auch neue Leute angestellt hat (vgl. Kasten).
 

Bedienung und Spezialisierung

Langjährige Mitarbeitende sind wichtig, damit Minder Mode ihre Geschäftsphilosophie umsetzen kann: «Jede Kundin, jeder Kunde soll sich in unseren Läden persönlich wohl fühlen, persönlich betreut und bedient werden», nennt Minder den einen Grundsatz. Das geht am besten, wenn die Kundinnen immer die gleiche Ansprechperson vorfinden.
Der zweite Grundsatz ist die Spezialisierung auf jeweils ein Segment: Die Damenmode, die festliche Mode, die Brautmode und sehr gute Marken. Von diesen hat Minder Mode immer ein saisonal angepasstes, grosses Sortiment in den Regalen.
 

Bescheidene Anfänge

Begonnen hat alles vor 50 Jahre sehr bescheiden: Die Grosseltern von Urs Minders führten an der Bahnhofstrasse in Huttwil eine Metzgerei. Zur Liegenschaft gehörte auch ein kleiner Wolladen. Als die Mieterin diesen kündete, befand der Familenrat, Tochter Elsbeth könnte dort einsteigen.
Sie spezialisierte sich auf Corsetterie, Lingerie, Calida-Wäsche und Kinderkleider, weil dafür auf dem Platz Huttwil die Konkurrenz schwach war. Bereits damals wurde Elsbeth Minder von ihrem Ehemann Samuel unterstützt. Bis 1970 arbeitete dieser noch in einer guten Arbeitsstelle. Ihr Erspartes und was aus seinem Lohn übrig blieb, steckten sie ins Geschäft.
 
 

Grosser Kundenkreis

1969 konnten sie die Metzgerei-Liegenschaft übernehmen und zum Modehaus umbauen. Die Verkaufsfläche vergrösserte sich so von 22 auf 150 Quadratmeter. 1987-1989 konnten sie nochmals auf 400 Quadratmeter erweitern. Dazu kamen wichtige 15 Kundenparkplätze, denn die Kundschaft kam längstens nicht mehr nur aus Huttwil.
«40 Prozent des Umsatzes erzielen wir mit Kundinnen aus dem Kanton Luzern», erklärt Urs Minder, der 1987 als ausgebildeter Textilkaufmann ins elterliche Geschäft einstieg und es 1996 zusammen mit seiner Frau vollständig übernehmen konnte.
Dieser breite Kundenkreis hat auch zum Entscheid geführt, nicht in Huttwil weiter zu vergrössern, sondern in umliegenden Zentren Fuss zu fassen. Alle Geschäfte sind von Huttwil aus und untereinander in rund einer halben Stunde erreichbar, erklärt Urs Minder das Prinzip der «Filialisierung». So bleibe der Vorteil des direkt geführten Familienbetriebes erhalten.
 

Grenzen ziehen

Ein Schritt nach Bern kommt für Minder deshalb nicht in Frage. Auch neue Einkaufszentren sind für ihn «zu unpersönlich». Als geradezu idealen Standort bezeichnet er denjenigen der beiden letztes Jahr neu eröffneten Läden in Langenthal: Direkt an den Passantenströmen zur neuen Überbauung untere Marktgasse, aber mit einem eigenen Eingang doch nicht in diese integriert.
Mit den heutigen Standorten hat Minder Mode für den Vertreter der zweiten Generation eine ideale Grösse erreicht. Geschäftszahlen gibt die Familien-AG nicht bekannt. Den Blick in die Zukunft entscheidet der 48-jährige Geschäftsinhaber schon bald nicht mehr allein: «Bis in zehn Jahren muss feststehen, ob eines unserer Kinder dereinst an der Geschäftsfübernahme Interesse hat», erklärt er. Heute ist es dafür noch zu früh: Der älteste Sohn besucht derzeit die Sekunda am Gymnasium Oberaargau.

Modehäuser und Markenshops

Zu Minder Mode gehören neben dem Hauptgeschäft in Huttwil je ein Modehaus in Burgdorf (eröffnet 2001) und in Langnau (2002). Dazu kommen Markenshops in Huttwil («Staccato», 2000) und LangenthalStreet One, 1996; «Cecile Store» und «Gerry Weber Shop» 2008). Dem Modehaus in Huttwil sind eine Brautmodeabteilung (1991), ein Gerry-Weber-Shop (1998), eine Abteilung für festliche Herrenmode (1999) und ein Delmod-Shop (2002) angegliedert. Die Miederwaren- und Wäscheabteilung wurde 1987 eingestellt. (jr)



Veröffentlicht am
18:48:16 22.10.2008